Parodontologie/Parodontalchirurgie

Zahnbetterkrankungen (Parodontitis) gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen und können unbehandelt zum Zahnverlust führen.

1. Dentale Plaque

Plaque oder auch Biofilm entsteht durch Anhäufung von Bakterien auf Zahnoberflächen. Dieser vermehrt sich besonders an für die Mundhygiene schwer zugänglichen Bereichen.
Mit der Bildung von Plaque können die in der Mundhöhle lebenden Mikroorganismen krankheitserregend werden und somit zu Karies, Gingivitis oder Parodontitis führen. Durch Mineralisierung bakterieller Plaque entsteht Zahnstein.

2. Gingivitis

Nach spätestens 3 Wochen ungehinderter Plaqueanhäufung entwickelt jeder Erwachsene eine manifeste Entzündung des Zahnfleisches (plaqueinduzierte Gingivitis), die sich u. a. durch Schwellung und Rötung des Zahnfleisches und Zahnfleischbluten auszeichnet. Das Einsetzen einer effektiven Mundhygiene führt nach etwa einer Woche zu einer vollständigen Remisson der klinischen Entzündung. Bei Belassen der Plaque auf den Zahnoberflächen geht diese Gingivitis bei einigen Menschen (etwa 10–15%) in eine schwere Parodontitis über, die unbehandelt zu erheblichen Gewebezerstörungen und Zahnverlusten führen kann.

3. Parodontitis

Was ist Parodontitis? Der Begriff „Parodontium“ kann als „das den Zahn umgebende Gewebe“ interpretiert werden. Die Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung aller Anteile des Zahnhalteapparates, die durch bakterielle Beläge und körpereigene Abwehrmechanismen verursacht wird und häufig langsam (chronischer Verlauf) fortschreitet. Der Parodontitis geht immer eine Gingivitis voraus, wobei jetzt auch Zahnfleischrückgang und Knochenabbau beobachtet werden. Unbehandelt führt dies zu Zahnverlust und kann zur Entstehung einer systemischen Erkrankung wie Herz-Kreislauf-E003,

,rkrankungen und Diabetes beitragen oder deren Verlauf verschlimmern.

Häufigkeit

Aktuelle Studien zeigen, dass bereits 52,7 % der Erwachsenen (35–44 Jahre) unter mittel-schweren und 20,5 % unter schweren Formen der Parodontitis leiden. Bei den Senioren (65–74 Jahre) liegt letzteres noch höher (39,8 %), weshalb die Parodontitis die häufigste Ursache für Zahnverlust darstellt. Besonders Raucher unterliegen einem höheren Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken.

Vorbeugung

Da die Erkrankung anfänglich schmerzfrei ist, werden Symptome wie Mundgeruch, gelockerte Zähne und empfindliche Zahnhälse erst spät erkannt. Durch regelmäßige Kontrollen bei Ihrem Parodontologen kann die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden. Denn: „Ein sauberer Zahn wird nicht krank“.

Diagnose

Eine parodontale Erkrankung kann mit Hilfe des Parodontalen Screening Index (PSI) frühzeitig diagnostiziert werden. Weitere Untersuchungen wie mikrobiologische Tests, ermöglichen uns dann die Spezifizierung der Erkrankung.

Behandlung

Unsere Ziele bei der Behandlung der Parodontitis sind die Elimination bzw. Reduktion der auslösenden Faktoren, die Unterbrechung des Voranschreitens der Erkrankung, die Wiederherstellung parodontaler Strukturen und die Sicherung des Therapie-Ergebnisses. Die Reinigung der Zahnoberflächen und Zahnzwischenräume durch eine professionelle Zahnreinigung (PZR) sowie die Korrektur defekter Restauration, bilden die Voraussetzung für die Hygienefähigkeit des Gebisses. Anschließend lernen Sie, wie sie Selbst durch effektive Mundhygiene Ihre Zähne sauber halten. Regelmäßige Kontrollen zeigen, ob diese Therapie gegebenenfalls wiederholt werden muss oder bereits der nächste Behandlungsschritt eingeleitet werden kann. Unter lokaler Betäubung werden nun alle bakteriellen Ablagerungen aus den Zahnfleischtaschen und von den Wurzeloberflächen entfernt. Besonders schwere Formen der Parodontitis können weiterhin Entzündungszeichen aufweisen und zusätzliche parodontalchirurgische Maßnahmen notwendig machen.

Nachsorge

Kontinuierliche Kontrolltermine (je nach Erkrankungsrisiko 2–4 Termine im Jahr) beim Parodontologen sind essenziell, um das Wiederauftreten einer parodontalen Erkrankung durch frühzeitige Intervention und Behandlung zu verhindern.

Ebenso trägt das Fortführen einer optimalen häuslichen Mundhygiene zum Langzeiterfolg bei.

Parodontalchirurgie

Sind die konservativen Maßahmen nicht mehr erfolgsversprechend oder ist die Parodontitis weit fortgeschritten, sind ergänzend, parodontalchirurgische Eingriffe notwendig. Ein Parodontologe hat eine spezielle Ausbildung in diesem Bereich absolviert und kann durch die Anwendung mikrochirurgischer Methoden vorhandene parodontale Läsionen unter weitgehender visueller Kontrolle minimalinvasiv behandeln und verloren gegangene parodontale Strukturen reparieren bzw. wiederherstellen.

Rezessionsdeckung

In Folge von Parodontitis oder traumatischem Zähneputzen kann es zu Zahnfleischrückgang (Rezession) kommen. Die dabei entstehenden freiliegenden Zahnhälse sind nicht nur unästhetisch, sondern auch besonders empfindlich gegenüber Kälte- und Wärme. Durch chirurgische Verschiebung des Zahnfleisches oder Transplantation von Gewebe aus dem Gaumen können diese Bereiche abgedeckt werden.

Gingivektomie/Gingivaplastik

Morphologisch verändertes und infiziertes Weichgewebe, oft bedingt durch die Einnahme bestimmter Medikamente, stellt einen Risikofaktor für die Entstehung einer Parodontitis und umgekehrt. Im Rahmen einer Gingivektomie (schonende Entfernung der Überwucherung) kann die physiologische und natürliche Form des Zahnfleisches wiederhergestellt werden.

Resektive Furkationstherapie 

Der Verlust von Hart- und Weichgewebe im Bereich freiliegender Wurzelteilungsstellen (Furkationen) machen häusliche und professionelle Hygienemaßnahmen kaum möglich. Mit Hilfe der resektiven Furkationstherapie können diese Regionen sauber gehalten und Zahnverlust verhindert werden.

Chirurgische Kronenverlängerung

Kariöse Läsionen, die über den Zahnfleischrand hinausgehen, erschweren die Versorgung eines Zahnes mit einer dichten Krone oder Füllung. Diese Zähne müssen nicht mehr entfernt werden, denn moderne Techniken (chir. Kronenverlängerung) ermöglichen durch Freilegung eines kleinen Teils der Wurzel den Erhalt von ansonsten über viele Jahre zu stark zerstörter Zähne.

Korrektur von Lippen- und Wangenbändchen

Tief ansetzende straffe Bändchen können unschöne Zahnlücken zwischen den Schneidezähnen hervorrufen und zu Zahnfleischrückgang führen. Durch eine Korrektur kann sich die Zahnlücke wieder von selbst verschließen und der Zahnfleischrückgang gestoppt werden.

Knochen-/Geweberegeneration

Verloren gegangenes parodontales Gewebe kann durch regenerative parodontalchirurgische Maßnahmen funktionell und morphologisch wiederhergestellt werden. Hierzu verwenden wir spezielle Wachstumsenzyme und Knochenersatzmaterialien zur Stimulierung der parodontalen Regeneration.

Was können wir für Sie tun?